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Malteser Speyer

Mit gelbem Jackett Zeichen gegen Rechts – Malteser Jugend zeigt Film „Blut muss fließen“

06.02.2015
Im Anschluss an die Filmvorführung kamen zahlreiche Interessierte mit Peter Ohlendorf (re.) ins Gespräch. Auch die Speyerer Bürgermeisterin Monika Kabs, Diözesan- und Bezirksgeschäftsführer Christoph Götz, Diözesanjugendreferentin und Organisatorin Barbara Zecevic und einige Malteser Jugendliche (v.re.) ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen.

Knapp 70 junge Leute sowie Vertreter aus Politik, Justiz und Polizei kamen in das Kinder- und Jugendtheater nach Speyer, um den Film „Blut muss fließen“ zu sehen. Mit der Vorführung dieses Dokumentarfilms zum Thema „Konzerte mit Rechtsrock“ hat sich die Malteser Jugend am Mittwoch an den Veranstaltungen gegen Rechts beteiligt. Denn Speyer soll als erste Stadt in Rheinland-Pfalz den Titel „Stadt ohne Rassismus – Stadt mit Courage“ erreichen. Dazu hat sich eine Steuerungsgruppe mit Vertretern verschiedener Jugendorganisationen und Schulen zusammengefunden.

Zu Beginn der Vorführung verteilten die Malteser gelbe Bändchen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen – in Anlehnung an das gelbe Jackett, das Markenzeichen des Journalisten Thomas Kuban. Er hat mit versteckter Kamera rechtsradikale Konzerte gefilmt und gezeigt, wie Rechtsradikale mit ihrer Rockmusik Jugendliche ködern und radikalisieren wollen. Laut einer Studie ist der Rechtsextremismus in Deutschland zur größten Jugendbewegung geworden.

Für ein Filmvorhaben reiste Kuban durch Deutschland und Europa, auch zurück an Orte, an denen er zuvor verdeckt gedreht hatte. Der Autor Peter Ohlendorf hat Kuban auf dieser Reise mit der Kamera begleitet. Im daraus entstandenen Film „Blut muss fließen“ sind diesen Beobachtungen Sequenzen aus dem Undercover-Material gegenübergestellt. In die Dokumentation sind nachgestellte Szenen integriert, die sich zum Schutz des Journalisten ergeben haben. Offizielle Unterstützung für das Projekt erhielt Kuban nicht – weder finanzieller Art, noch wollten Redaktionen seinen Film zeigen.

Im Anschluss an die Vorführung nutzten die Zuschauer das Diskussions-Angebot von Regisseur Ohlendorf. Er stellte sich den Fragen und trug dabei das gelbe Jackett aus dem Film. Die Aufnahmen zeigten, wie wenig Beachtung der rechtsradikalen Szene in der Politik geschenkt, beziehungsweise wie grob deren Gefährlichkeit unterschätzt wird. Es wurde mehrfach deutlich, wie sehr der rechte Terror – und nichts anderes sei dies - in der Aufmerksamkeit hinter dem islamistischen Terror zurücksteht. „Dabei bildet der Rechtsradikalismus hier bei uns in Deutschland und Europa die eigentlich größte Bedrohung“, betonte Ohlendorf. „Und dass, wie behauptet, die linke Szene gewalttätiger sei, ist eine glatte Lüge. Nachgewiesener Maßen gehen in den vergangenen 20 Jahren mindestens 100 Tote auf das Konto der Nazi-Szene.“

Und es sei unverantwortlich, dass manche Menschen in wichtigen Positionen das Thema herunterspielten, die Justiz bei der Aufklärung von Straftaten behinderten oder einfach tatenlos bei volksverhetzenden Aktionen zuschauen. Hierbei erschien auch die Polizei in bestimmten Gegenden in schlechtem Licht: sie war zwar teilweise vor den Konzerten vor Ort, zog sich bei Konzertbeginn jedoch zurück. Als ein positives Beispiel wurde die Polizei in Berlin genannt, die mit einer spezialisierten Einheit konsequent gegen Rechts vorgeht. In anderen Orten, wo sich Polizei und Politik als nicht handlungsfähig betrachten, organisieren sich Bürger und zeigen Courage – und haben Erfolg.

Die Schülerfragen richteten sich zuerst an die Vertreter der Polizei – „Wie würden Sie in einer solchen Situation reagieren? Sie sind bei einem Konzert vor Ort und hören verbotene Liedtexte, sehen den Hitlergruß – was tun Sie?“ Der angesprochene Beamte sagte, es gebe in diesem Fall einen Strafverfolgungszwang und das Einschreiten sei gesetzlich vorgeschrieben. Doch komme es auch auf die Taktik an, denn „wenn wir zu viert 200 meist besoffenen Skins gegenüberstehen, können wir nichts unternehmen. Denn dann hätten wir definitiv verloren.“ Es gelte, in einem solchen Fall, alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren und erst dann vorzugehen. Im Bereich Speyer würden seltener Konzerte stattfinden, weil der Druck für die Veranstalter groß sei. Dafür würden die Veranstaltungen dann ins nahe Elsass verlagert.

Weiter wollten die Zuschauer wissen, ob die Szene denn eher ein ländliches oder städtisches Problem sei. Das sei in Deutschland sehr unterschiedlich, stellte Ohlendorf dar. In manchen Gegenden – die eher strukturschwach seien, gebe es im ländlichen Bereich mehr Rechtsradikale, in Dortmund, Aachen oder Wuppertal beispielsweise balle sich das Klientel wiederum in der Stadt. „Scheinbar gehen hier viele Verantwortliche – besonders auch bei der Strafverfolgung – den einfachsten Weg“, stellte am Ende einer der Schüler fest. Das bestätigte Ohlendorf. „Ich bin kein Freund von Pauschalisierungen und auch kein Verschwörungstheoretiker – aber es ist so, dass einzelne Personen an bestimmten Stellen keine Demokratie wollen.“ Demokratie sein nun mal kein Konsumartikel, dafür müsse man auch einstehen. Deshalb sei es wichtig, den Menschen die Vielfalt zu zeigen und ihnen Toleranz vorzuleben. Ihnen Lust darauf zu machen, "rauszugehen aus der deutschen Kartoffelbrei-Ecke und sich für Neues, Anderes zu öffnen.“

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